Lieber fehlerhaft begonnen als perfekt gezögert

„Der Profi macht nur neue Fehler. Der Dummkopf wiederholt seine Fehler. Der Faule und der Feige machen keine Fehler.“ Oscar Wild

Können Sie sich noch an Ihre ersten Gehversuche als Kleinkind erinnern? Von unseren eigenen Kindern sind sie uns noch sehr lebendig vor Augen. Nach dem das Gehen durch das Festhalten an Tisch und Sofakanten lange geübt wurde, ließen die Kleinen irgendwann den sicheren Halt los, um motiviert durch uns Eltern, die ersten freien Schritte zu wagen. Mehr schlecht als recht tippelten sie auf unsere offenen Arme zu, um glücklich und lachend wieder Halt an ihnen zu finden. Oft genug waren aber auch die eigenen Beine im Weg, sodass sie auf den Boden plumpsten. Doch der Schreck hielt sie nicht auf, die neue Freiheit für sich zu erobern. Auf zwei Beinen kann man schließlich alles schneller erreichen und hat die zwei Händchen noch frei, um alles zu begreifen. Wenn es beim ersten Mal nicht gleich klappte, wird es noch einmal probiert. Neugier ist ein starker Motivator, weil befriedigte Neugier glücklich macht.

Wenn wir als Kind noch auf vieles unbefangen zugegangen sind, fällt es uns als Erwachsenen später schwer, genau so offen Neues auszuprobieren. Viele haben die Botschaft der Gesellschaft tief verinnerlicht: Fehler werden nicht toleriert, obwohl sie überall geschehen. Spätestens in der Schule stellten die meisten von uns fest, dass Fehler getadelt werden und nur perfekte Leistung das Lob aller bekommt. Leider ließen sich auch viele Eltern auf diesen Leistungsanspruch ein und reagierten mit Sanktionen auf schlechte Noten. Wer aus einem religiösen Hintergrund kommt, hatte möglicherweise noch zusätzliche Ängste vor einem strengen und jeden moralischen Fehler strafenden Gott entwickelt. Um dieses Drama irgendwie zu überleben, haben wir verschieden Fehlervermeidungsstrategien entwickelt. Die Einen ließen sich anspornen, intensiver zu lernen. Andere gingen eher in die Deckung, um nicht aufzufallen. Oft genug wurde aber auch geschummelt und gelogen, damit keiner unsere Fehler wahrnimmt.

Die Leistungskämpfer in diesem System haben es nicht wirklich besser. Sie werden getrieben von Gedanken, es allen recht zu machen, immer stark zu sein und sich anzustrengen. Sie müssen sich in allem beeilen und möglichst perfekt sein. Ihr Hamsterrad hat viele Tritte, die von innen wie eine Karriereleiter aussehen können. Irgendwann sind sie erschöpft oder erleiden einen Herzinfarkt. Nicht selten steigen deshalb Topmanager irgendwann aus und werden Wirt auf einer Alm. Andere leben in ihrem scheinbar sicheren Schneckenhaus und trösten sich mit dem Gedanken, lieber den Spatz in der Hand zu halten, und nicht von der Taube auf dem Dach zu träumen. Sie haben ihre angeborene Neugier und freie Einstellung zum Leben eingeschränkt für ein wenig mehr Akzeptanz ihrer Vorgesetzten oder auch Bekannten.

Wer allerdings in der Welt etwas für sich und die Gesellschaft bewegen will, benötigt eine positive Einstellung zu eigenen Fehlern und zu denen anderer Menschen. Merken Sie sich deshalb: „Fehler sind sehr wertvoll.“ Gemachte Fehler sind Ihre stärkste Lernquelle und bringen Sie im Leben weiter. Wer einen Fehler macht und dann fragt: „Was ist der Grund dafür, dass es nicht funktionierte?“, versucht es eben ein zweites Mal auf eine andere Art und Weise. So lassen sich Prozesse optimieren und kommen neue Ideen zu ihrer Entfaltung. Fehler müssen als Lehrgeld verstanden werden, dass eines Tages eine hohe Rendite bringt. So hat es der Erfinder Thomas Alva Edison auch erlebt.

Der Weg zur Glühlampe war für Edison ein langer Weg. Nach 1000 erfolglosen Versuchen eine marktreife Glühbirne zu entwickeln, sagte Edison: „Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.“ Manche sprechen davon, dass er 2000 Versuche und mehr brauchte, um eine langlebige Glühbirne der Welt zu präsentieren. Er hätte aufgeben können oder gar nicht erst anfangen zu brauchen, doch er hat sich dafür entschlossen, fehlerhaft zu beginnen. Er war sicher ein Perfektionist, was das Endprodukt anging, doch er wusste, dass seine Vision eine Entwicklung braucht, die mit unvollkommenen Glühbirnen beginnt. Auch heute setzen innovative Unternehmen auf das Potenzial der Fehleranalyse. Der Staubsaugerhersteller James Dyson hat nicht weniger als 5127 Prototypen seines Staubsaugers ohne Staubbeutel hergestellt, bis er mit seinem Produkt zufrieden war. Seine Ingenieure sollen sich an einem „Spieltag“ in der Woche mit allem beschäftigen können, dass ihnen im Kopf rumgeht. Fehler machen und Risiken eingehen ist dabei ausdrücklich erwünscht. So entstehen Kreativität und neue fantastische Produkte.

Sicherlich gibt es Berufe und Tätigkeiten, wo kleinste Fehler schwerwiegende Folgen haben. Um sie zu vermeiden, gibt es lange Lern- und Trainingsphasen. Das Risiko kann stark verringert werden durch professionelle Begleitung und Hilfestellung. So unterstützt der Oberarzt den Assistenzarzt lange bei komplexen Operationen, bis dieser die nötige Kompetenz hat, selbst zu operieren. Das gleiche gilt auch für andere Lebensbereiche. Doch meistens sind die möglichen Fehler nicht so dramatisch. Schlimmer sind die Auswirkungen unserer Ängste, Neues erst gar nicht zu versuchen. Unsere Welt wäre sehr armselig, wenn ängstliche Bedenkenträger sie nur bewahrt hätten. Doch dank der vielen mutigen und tatkräftigen Menschen der Vergangenheit wurde sie zu dem schönen Ort, wo wir heute leben. Suchen Sie sich deshalb gute Coachs, die Sie in Ihren Entscheidungen und Zielen unterstützen. Werden Sie zum Gestalter der Welt von Morgen in dem Sie sich Fehler zugestehen und nicht ewig vor einer neuen Idee zögern.

Im Übrigen: Auch Jesus sah in der kindlichen Einfachheit ein großes Potenzial, das die Welt verändern kann. Oft stellt er Kinder in seinen Reden als positives Beispiel dar. In seinen Augen sind Kinder offen für neue Erfahrungen, während die Erwachsenen sich durch ihre eingefahrenen Gedanken und ihrem religiösen Perfektionismus selbst behindern. Den Erwachsenen seiner Zeit ruft er zu: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Matthäus 18,3. Seine engsten Mitarbeiter waren jung und mutig aber keinesfalls fehlerfrei.

Peter Otparlik

Lieber fehlerhaft begonnen als perfekt gezögert
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